Das Sozialpraktikum in Stetten bei den schwerstbehinderten Kindern hat mir im Allgemeinen sehr gut gefallen und ich habe sehr viele neue Erfahrungen gemacht.
Bereits als ich ankam machte ich erste Erfahrungen, als ich auf dem Gelände der Diakonie Stetten ersten Behinderten begegnete. Als ich einen Jungen mit Helm auf dem Kopf an mir vorbei gehen sah dachte ich bereits: “Der Arme, warum muss der denn den ganzen Tag einen Helm aufhaben.“ Als ich dann jedoch auf meiner Gruppe ankam und die Vorgeschichten „meiner“ Kinder in deren „Lebensbüchern“ las, wurde mir klar, dass es dem Jungen mit dem Helm ja noch vergleichsweise gut geht. Und mir erst!
Als ich dann das erste mal die Kinder in ihren Buggys sitzen sah, wie sie fast reglos vor sich hinstarrten, überkamen mich viele Fragen und ein bisschen mulmig wurde mir auch. Ich fragte mich warum gerade diese Kinder so ein schweres Schicksal erleiden? wie man sich fühlt wenn man so stark behindert ist?, ob diese Kinder überhaupt noch Spaß am Leben haben? Alles Fragen worauf man nicht so schnell eine Antwort findet.
Dennoch bin ich den Antworten im Laufe des Sozialpraktikums ein Stück näher gekommen. Mir wurde klar, dass egal, was für ein großes Schicksal man erleidet, das Leben akzeptabel wird, wenn man Menschen hat, die sich um einen kümmern. Außerdem habe ich bemerkt, dass egal wie behindert ein Mensch ist, es immer Möglichkeiten gibt, ihm eine Freude zu machen und ihm damit den Tag zu verschönern. Wie es so ist, behindert zu sein, das ist eine Frage auf die ich keine richtige Antwort gefunden habe. Aber mir ist aufgefallen, dass sie mit genug Unterstützung ein durchaus ähnliches Leben wie ein Nichtbehinderter führen können: sie haben einen regelmäßigen Tagesablauf, sie können Freundschaften bilden und sie können Gefühle ausdrücken.
Leider musste ich jedoch auch feststellen, dass die Unterstützung, von der ich oben gesprochen habe, nicht immer ganz vorhanden war. Nicht von den Mitarbeiter/Innen, diese waren immer sehr warmherzig und hilfsbereit. Nein, ich spreche von den Eltern. Diese haben mich in manchen Fällen sehr erschüttert, da einige der Eltern ihr Kind, so wie es ist, nicht akzeptieren können. Und es daher nicht mehr besuchen und nur noch anrufen wenn es um finanzielle Themen oder ähnliches geht. Ich habe daraufhin eine Mitarbeiterin gefragt, wie man denn so kaltherzig sein kann. Diese jedoch meinte dann, dass ich nicht über diese Menschen urteilen soll, da ich nicht weiß, wie ich in so einem Fall handeln würde.
Am meisten erschüttert hat mich ein Junge, der gesund auf die Welt gekommen ist und dann von seinem Vater so stark misshandelt wurde, dass er schwerstbehindert wurde. Doch jetzt habe ich genug über die schlimmen Dinge geredet, denn es gab auch viele Dinge, die mich sehr gefreut haben. Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass die Kinder selbst wenn sie nicht oder nur wenig auf Behandlungen reagieren, sie trotzdem viele unterschiedlichen Behandlungen bekommen.
Am meisten fasziniert hat mich hier ein Mann, der mit einer Schwerbehinderten Bewohnerin Klangmassage machte. Das war sehr interrasant und man hat gut gesehen, wie die Bewohnerin ruhig und entspannt wirkte. Ich fand es auch schön zu sehen, wie viele Menschen sich für diese Kinder engagieren, ohne dass sie verwandt sind oder ähnliches.
Am meisten Spaß jedoch hatte ich, wenn ich selbst den Kindern näher kommen konnte. Als ich einen der Jungen in ein Fußbad hielt und dieser daraufhin begann zu heulen, tat mir das natürlich sehr leid, doch er gewöhnte sich daran und fand es später meiner Meinung nach sogar angenehm. Außerdem lernte ich, wie man ein Kind wickelt und fürs Bett fertig macht. Wo bekommt man denn dazu schon die Möglichkeit?
Ein kleiner Minuspunkt war, dass wir manchmal ein bisschen wenig zu tun hatten, doch das fand ich eigentlich gar nicht so schlimm, denn gerade in diesen Pausen konnte ich genauer über dies alles hier nachdenken. Die letzte Schulwoche war für mich eine der erlebnisreichsten meiner bisherigen Schulkarriere und ich finde es daher gut und wichtig, dass man an unserer Schule ein Sozialpraktikum machen darf.